Sonntag, 4. November 2012

Die Givebox - das (für mich) fehlende Puzzleteilchen

Quelle: Solgargourmet.de


Oh je, wie konnte ich sie nur all die Monate übersehen? Unzählige Male habe ich zu meinem Mann gesagt, dass es so etwas wie ein "Haus für Sachen" geben müsste: Eine öffentliche Sammelstelle, zu der jeder sein gutes Zeug bringen kann. Und jeder sich einfach nehmen kann, was er braucht. Wäre das nicht toll?

Das Lustige ist: Seit Herbst 2011 gibt es so etwas schon in Düsseldorf. Habe ich nur heute erst mitbekommen. Da es den Offenen Bücherschrank gibt, habe ich mal geguckt: Gibt es Offene Spielzeugschränke? Offene CD-Schränke? Offene Geschirrschränke? Fehlanzeige. Aber ich bin bei dieser Suche auf etwas gestoßen, was genau dafür gedacht ist:

Die Givebox.

Kennt ihr die? Schon mal benutzt?

Für mich ist sie genau das, was mir bisher gefehlt hat. Vernünftige Sachen, die noch etwas Geld bringen könnten, kommen zu Ebay. Kaputte Sachen in den Müll. Was noch jemand gebrauchen kann, an Freunde. Aber was ist mit dem ganzen Rest? Den Sachen, die zu gut sind, um sie wegzuwerfen? Die man aber auch nicht mehr verkaufen kann? Oder für die der Aufwand sich schlichtweg nicht lohnt?

Genau dafür ist die Givebox erdacht worden. So groß wie eine Telefonzelle, zusammengezimmert und instand gehalten von engagierten Bürgern und offenbar immer gut besucht. Erdacht von einem Berliner Pärchen und dann kopiert in vielen großen deutschen Städten. Sogar in einen Artikel der NY Times haben die Giveboxen es schon geschafft.



Ich war gerade bei der Givebox in Düsseldorf-Flingern und habe es kaum geschafft, meine Sachen dort abzustellen (einen Scanner, den ich über Freecycle bekommen habe, der aber nicht zu unserem PC passt, und die alten X Box-Spiele meines Mannes, die man nirgendwo sonst mehr los wird, und noch ein paar Kleinigkeiten, vor allem Spiele). Ständig suchte jemand in all den Spenden herum und offenbar löst die öffentlich zugängliche und für die Nutzer kostenlose Givebox große Begeisterung aus.

Eine tolle Idee, und vielleicht auch bald in euren Städten und Vierteln? Wer aktiv werden möchte, findet hier auf Facebook oder hier die Anleitung dazu.

Ein tolles Konzept!

Freitag, 2. November 2012

"Simplify" von Joshua Becker für 0,89 €


Die nächsten Tage gibt es "Simplify" von Joshua Becker (von Becoming Minimalist) für 0,89 € in der Kindle-Version. Hab' grad zugeschlagen!

Wer keinen Kindle hat: Die Apps dafür kann man sich kostenlos im Internet herunterladen. So kann man das Buch dann auch am PC lesen.

Viel Spaß damit!

Sonntag, 14. Oktober 2012

Fantasien entrümpeln




Vor einiger Zeit hat Miss Minimalist darüber gebloggt, dass man auch seine Vorstellungen von sich selbst entrümpeln kann: Declutter your Fantasy Self.

Ich habe vor Kurzem mal versucht (und auch einigermaßen geschafft), Selleriereste und andere Gemüse einfach weiterzuzüchten. Das klappt wirklich. Allerdings werden sie irgendwann groß, brauchen mehr Platz, Blumenerde und einen richtigen Topf. In einer Mietwohnung ohne Balkon weiß ich nie so wirklich, wo ich das alles machen bzw. aufbewahren soll. Schimmelt Blumenerde nicht im Keller? Und wer legt sich ernsthaft einen angebrochenen Sack Blumenerde in die Wohnung, für den Fall, dass man das nächste Händchen voll Erde braucht?

Also entümpele ich heute meine Fantasien von all den tollen Dingen, die ich immer glaube, in meiner Freizeit und ohne Equipment züchten zu können. Mir tut es immer etwas leid, wenn ich sehe, wie die großen Pflanzen wie unsere Zimmerpalme sich mit aller Kraft in Richtung Licht entwickeln und dabei schief und krumm wachsen, weil wir zu wenig Platz für sie haben. Stellen wir sie direkt vor's Fenster, kommt kein Mensch mehr ans Fenster dran - in einer kleinen Wohnung, die mindestens 2x am Tag richtig gelüftet werden muss, auch nicht praktikabel.

Was für uns immer super funktioniert hat, sind Grünlilien und Aloe Vera. Die sind so anspruchslos, dass sie selbst in unserem Haushalt klarkommen.

Und entfernt mit dem Thema Blumenzucht verwandt sind Keimlinge. Ich bemühe mich seit eh und je um eine einigermaßen gesunde Ernährung und Mann & ich essen auch beide gerne Keimlinge. Aber zieht die jemand gerne? Ist ja schon etwas Aufwand. Es ist nicht viel, aber man muss dann auch jeden Tag dranbleiben. Und regelmäßig wieder abernten. Die letzten Jahre hat sich gezeigt: Das tun wir doch nicht. Regelmäßig zerrt jemand von uns leicht genervt die Keimlingsreste aus dem Keimgerät, die schon halb festgewachsen sind oder wahlweise schon angefangen haben umzukippen und miefig riechen.

Was aber supereinfach ist und sich bei uns deshalb wohl immer mehr durchsetzt, sind Keimlinge von Hülsenfrüchten. Wir ziehen irgendwie nur noch Mungobohnen und schwarze Linsen. Die sind rund und rollen herum und setzen sich daher nicht so fest. Sie keimen außerdem echt schnell. Nach zwei Tagen kann man sie meistens schon essen. Und sie sind sehr pflegeleicht! Deren Keimlinge sind mir noch nie umgekippt. Damit haben wir also etwas gefunden, was wir auch tatsächlich machen.

Mit seinen Vorstellungen von all dem, was man noch machen will (und dann doch nicht macht), entrümpelt man: Ein schlechtes Gewissen, einen genervten Blick auf die wartenden Pflanzen/Sprachlernprogramme/Hanteln, die Arbeit des Wegputzens oder Entsorgens bei Dingen, die schlecht werden können, und die Gedanken daran, dass man es heute noch machen müsste.

Man bekommt: Ein freies Gefühl in der eigenen Wohnung, die einen abends schön und aufgeräumt empfängt, die Freude über die Dinge, die man wirklich macht (und die ja meistens auch vollkommen ausreichen ...), die Leichtigkeit des Wissens, dass man sein Soll für heute schon erfüllt hat und sogar Spaß daran hatte, und geistigen Freiraum.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Weg damit!

Ein Parfum, das ich nie benutzt habe, samt Bodylotion.
Schöner Pulli. Cashmere, war teuer, fühlt sich toll an. Aber ich bin halt nicht der Pulli-Typ.

In der Kategorie "Weg damit!" dokumentiere ich, was ich täglich so ausmiste. Los geht's!

Hier sind einige der Dinge, die bei Ebay weggegangen sind. Und das war bei Weitem nicht alles. Ich staune selbst immer wieder, wie viel Zeug das war.

Bei Büchern gehen manche einzeln einfach nicht weg. Daraus kann man dann aber immer noch eine Bücherkiste zusammenstellen, für die man oft bereitwillige Abnehmer findet (danke für diesen wertvollen Tipp an Claire!). So sah das bei uns zum Beispiel aus:





 



Und hier noch die Kanditaten der Woche in der Kategorie "Gedöns":

Eine nette Backform. Die aber nichts ist für Leute, die nie backen.

Meine halbherzigen Versuche, endlich Schmuck zu tragen. ;-)

Laufsocken, deren Bündchen total ausgeleiert ist. In denen jogge ich ja doch nicht mehr.

Hat ein Kollege von meinem Mann von einem Kunden geschenkt bekommen. Liebe Kunden, kauft nächstes Mal was Vernünftiges oder lasst das Zeug direkt im Auto. ;-)



Sonntag, 23. September 2012

Minimalistische Kleidung


Ich habe in der letzten Woche meinen Kleiderschrank weiter ausgemistet. Also mal so ganz in den Tiefen.

Ich lebe seit bald sieben Jahren so gut es geht ohne Tierprodukte. Irgendwie ist erst relativ spät zu mir durchgedrungen, dass damit auch Wolle, Seide & Co. gemeint sind. Aber besser spät als nie.

Und was muss ich beim Entrümpeln feststellen? An einigen Stücken aus Wolle waren Kleidermotten dran! Dadurch ist mir mal wieder bewusst gworden, wie viel Aufwand manche Kleidungsstücke doch machen. Wie sehr man auf sie achten muss, und wie empfindlich sie doch sein können. Welche Vorkehrungen man treffen muss, und wie sehr man sein Leben auf einzelne Pullis ausrichten kann. Sie können einlaufen, sie müssen ein spezielles Waschmittel bekommen, sie entwickeln kleine Knötchen, die man abzupfen muss, kurzum: Sie sind einfach hochempfindlich und machen viel Arbeit. Und sind dafür noch teurer.

Ich trage ehrlich gesagt tagein, tagaus meine normale, bürotaugliche Baumwollkollektion. Alles, was mit der Hand gewaschen werden muss oder aus tierischen Materialien ist, trage ich ohnehin nie. Also ab damit zu Ebay. Jedenfalls das, was die Motten übrig gelassen haben.

Für mich gilt seit ein paar Jahren für die Shoppingtour:

  • Nur pflanzliche Materialien (aus ethischen und praktischen Gründen, da alles einfach so in die Waschmaschine kann)
  • Nur Sachen, die auch passen (damit fällt alles raus, von dem man hofft, dass man irgendwann hinein passt, und das man nur mitnimmt, weil es so schön ist)
  • Nur Kleidung, die man auch gerne trägt (ist ja toll, wenn an dem Kleidungsstück sonst alles stimmt, aber wenn man ahnt, es nur im Schrank liegen wird, lässt man es am besten direkt im Geschäft)
  • Nur Farben, die auch zur restlichen Kleidung passen (klingt blöd, ist aber wichtig - wer hat nicht schöne Teile gekauft, die auch toll passten, die man nur leider zu gar nichts anziehen konnte?)

Wie haltet ihr es, mitlesende Minimalisten? Auch genervt von aufwändigen Teilen? Rennt ihr auch an normalen Tagen in normalen T-shirts herum?

Samstag, 22. September 2012

Meine Tasse


Vor ein paar Monaten habe ich alles aus unserem Küchenschrank herausgenommen. Wieder drinnen gelandet sind nur die Sachen, die wir auch tatsächlich benutzen. Für mich war das bei Tassen nur diese eine. Ich habe früher viel Kaffee getrunken und daher oft neue Tassen geschenkt bekommen. Aber am liebsten trinke ich aus dieser. Der Rand ist einfach perfekt geformt. Der Griff passt am besten in meine Hand. Sie ist gut zu spülen. Sie ist perfekt.

Ich habe mir diese Tasse als junger Teenie für damals eine Mark im Nanu Nana gekauft. Seitdem ist sie meine Lieblingstasse.

Noch bringe ich es nicht über's Herz, all die anderen Tassen wegzugeben. Aber ich weiß, dass ich auch immer mit nur dieser einen Tasse ausgekommen wäre. Meiner Tasse!

Samstag, 15. September 2012

Weg damit!

Alte gebrannte CDs - zu Ende gehört, weg damit.

Eine PC-Tasche. Weiß der Geier, woher.

Eine ehemals wunderschöne Herz-Orchidee, die mangels richtiger Pflege nun ohne Blüten dasteht. Vielleicht sollten wir unseren Traum vom Orchideenzüchten doch gleich mit ausmisten.

Ein Sieb, dessen Griff kaputt ist - endlich mal ersetzt durch ein neues. Und daher weg mit diesem hier.

Der Rucksack, der mich auf einer Reise durch Südostasien, Australien und Neuseeland begleitet hat. Ist jetzt schon an mehreren Stellen kaputt. Dass die Qualität nicht so doll ist, wusste ich gleich. Aber ich fand ihn trotzdem so schön damals.

Diese Schuhe sind nach quasi fünf Jahren Dauertragen echt hinüber. Zig mal neu besohlt, neuen Absatz machen lassen, und jetzt fallen sie oben auseinander.

Mein geliebtes 0,5L-Glas aus Frankreich. Hat letztens irgendwo einen Sprung abbekommen. Bevor sich daran jemand verletzt, weg damit. Dank IKEA haben wir noch gefühlte 20 weitere Gläser, wenn auch mit weniger Fassungsvermögen und ohne persönliche Geschichte.

Zeug, das mein Mann von Kunden bekommen hat. Packt sowas überhaupt mal jemand aus?  Schnell weg damit.

Diese Kosmetiktasche war jahrelang mein absoluter Favorit für die Aufbewahrung aller Kosmetikartikel auf Reisen. Jetzt ist sie so alt und dreckig, dass sie weg kann. Auf Reisen haben sich die Gefrierbeutel von Melitta sehr gut bewährt. Die gibt es ab jetzt statt Kulturbeutel. Haben keinen so coolen Griff, aber sind dafür absolut auslaufsicher.

In der Kategorie "Weg damit!" dokumentiere ich, was ich täglich so ausmiste. Los geht's!

Dieses Wochenende geht es wieder so vielem an den Kragen. Wenn ich heute und morgen mit allen meinen Plänen durchkomme, dann sind alle der ehemals über 600 Bücher bei Ebay eingestellt, im offenen Bücherschrank gelandet oder weggegeben. Die Wohnung sieht schon jetzt wirklich gut aus - bis auf den Raum, in dem das restliche Zeug steht. Aber das schaffe ich jetzt auch noch!

Ich merke, wie viel weniger man jetzt visuell abgelenkt ist. In den "schönen" Räumen komme ich richtig zur Ruhe. Kennt ihr den scherzhaften Spruch "Nach dem Lernen ist mein Zimmer sauber?". Ich kenne das selbst absolut - immer, wenn ich zu Hause am PC arbeiten oder lernen wollte, fiel mir erst mal auf, wie dringend doch aufgeräumt werden muss. Ich glaube, unbewusst will man sich all die optisch verwirrenden, Gehirnenergie verbrauchenden Gegenstände aus dem Weg räumen. Damit man sich endlich mal ungestört konzentrieren kann.

Mein Leben hat sich jetzt schon verändert. Ich hatte auf ein mal den Drang, einen Sportkurs zu machen. Jetzt gehe ich 1x die Woche zum Bauchtanz. Ich gehe mal wieder raus! Ich mache etwas Tolles, was mir Spaß macht. Ich treffe Leute. Ich lerne etwas Neues. Ich bewege mich. Ich bin begeistert.


Ich habe jetzt den geistigen Raum dafür. Ich merke immer stärker, wie sehr mich unser Wohnraum vorher erdrückt hat. Alles war so unübersichtlich, optisch erschlagend, ein nie enden wollender Haufen von To dos. Man hat sich ermattet hingesetzt und wollte ob all der Schwere auch dort sitzenbleiben.

Und wie oft habe ich beim Entrümpeln etwas gefunden, was ich vor Monaten gesucht hatte. Nur: Wo hätte ich damals mit der Suche anfangen sollen? Wenn man schon nicht mehr weiß, was man überhaupt besitzt, ist das wirklich toter Besitz. Und der belastet. Sobald man das Zeug loswird, geht es einem so viel besser.

Ich putze jetzt zum Beispiel gerne. Einfach mal eben hier und da durchwischen, ein bisschen Dreck wegfegen, den Spiegel putzen, die benutzten Tassen wegräumen. Denn es stehen keine Kisten im Weg, nirgendwo sind stapelweise Sachen abgelegt, die man doch nie mehr brauchen wird, nirgendwo stehen Möbel, die "man" eben zu Hause haben sollte. Man wird so viel freier, so viel flexibler. Alles wird so schön einfach und übersichtlich. Alles hat seinen Platz. Die To dos sind so klein, dass man sie kurz nebenbei erledigt. Und das schafft einfach Zeit und Raum für Neues.