Sonntag, 14. Oktober 2012

Fantasien entrümpeln




Vor einiger Zeit hat Miss Minimalist darüber gebloggt, dass man auch seine Vorstellungen von sich selbst entrümpeln kann: Declutter your Fantasy Self.

Ich habe vor Kurzem mal versucht (und auch einigermaßen geschafft), Selleriereste und andere Gemüse einfach weiterzuzüchten. Das klappt wirklich. Allerdings werden sie irgendwann groß, brauchen mehr Platz, Blumenerde und einen richtigen Topf. In einer Mietwohnung ohne Balkon weiß ich nie so wirklich, wo ich das alles machen bzw. aufbewahren soll. Schimmelt Blumenerde nicht im Keller? Und wer legt sich ernsthaft einen angebrochenen Sack Blumenerde in die Wohnung, für den Fall, dass man das nächste Händchen voll Erde braucht?

Also entümpele ich heute meine Fantasien von all den tollen Dingen, die ich immer glaube, in meiner Freizeit und ohne Equipment züchten zu können. Mir tut es immer etwas leid, wenn ich sehe, wie die großen Pflanzen wie unsere Zimmerpalme sich mit aller Kraft in Richtung Licht entwickeln und dabei schief und krumm wachsen, weil wir zu wenig Platz für sie haben. Stellen wir sie direkt vor's Fenster, kommt kein Mensch mehr ans Fenster dran - in einer kleinen Wohnung, die mindestens 2x am Tag richtig gelüftet werden muss, auch nicht praktikabel.

Was für uns immer super funktioniert hat, sind Grünlilien und Aloe Vera. Die sind so anspruchslos, dass sie selbst in unserem Haushalt klarkommen.

Und entfernt mit dem Thema Blumenzucht verwandt sind Keimlinge. Ich bemühe mich seit eh und je um eine einigermaßen gesunde Ernährung und Mann & ich essen auch beide gerne Keimlinge. Aber zieht die jemand gerne? Ist ja schon etwas Aufwand. Es ist nicht viel, aber man muss dann auch jeden Tag dranbleiben. Und regelmäßig wieder abernten. Die letzten Jahre hat sich gezeigt: Das tun wir doch nicht. Regelmäßig zerrt jemand von uns leicht genervt die Keimlingsreste aus dem Keimgerät, die schon halb festgewachsen sind oder wahlweise schon angefangen haben umzukippen und miefig riechen.

Was aber supereinfach ist und sich bei uns deshalb wohl immer mehr durchsetzt, sind Keimlinge von Hülsenfrüchten. Wir ziehen irgendwie nur noch Mungobohnen und schwarze Linsen. Die sind rund und rollen herum und setzen sich daher nicht so fest. Sie keimen außerdem echt schnell. Nach zwei Tagen kann man sie meistens schon essen. Und sie sind sehr pflegeleicht! Deren Keimlinge sind mir noch nie umgekippt. Damit haben wir also etwas gefunden, was wir auch tatsächlich machen.

Mit seinen Vorstellungen von all dem, was man noch machen will (und dann doch nicht macht), entrümpelt man: Ein schlechtes Gewissen, einen genervten Blick auf die wartenden Pflanzen/Sprachlernprogramme/Hanteln, die Arbeit des Wegputzens oder Entsorgens bei Dingen, die schlecht werden können, und die Gedanken daran, dass man es heute noch machen müsste.

Man bekommt: Ein freies Gefühl in der eigenen Wohnung, die einen abends schön und aufgeräumt empfängt, die Freude über die Dinge, die man wirklich macht (und die ja meistens auch vollkommen ausreichen ...), die Leichtigkeit des Wissens, dass man sein Soll für heute schon erfüllt hat und sogar Spaß daran hatte, und geistigen Freiraum.

Kommentare:

  1. Ich habe auch Fantasien und den dazugehörigen Krempel entrümpelt:

    - jemals Pflanzen in meiner Wohnung zu beherrbergen, die ich auch vernünftig versorgen kann (pflegeintensive Zimmerpflanzen, Erde und Töpfe)

    - jemals zufrieden mit meiner Figur zu sein
    (Klamotten die nicht mehr passen oder nie mehr passen werden)

    - jemals eine Frau zu sein, die sich atemberaubende Make-up Zaubereien ins Gesicht malt (sämtliche dekorative Kosmetik bis auf die Sachen, die ich tatsächlich benutze)

    Danke für die Motivation =)

    Liebe Grüße
    Rosa

    P.s. Ich habe dich getaggt, ich hoffe du hast Lust mitzumachen!

    http://rosagoldfisch.blogspot.de/

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